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Geistestraining

 

 

Wenn glücklich, werde ich all mein Gutes allen widmen,
Mögen Wohlergehen und Glück den ganzen Raum durchdringen!
Wenn leidend, nehme ich die Leiden aller Wesen auf mich;
Möge der Ozean der Leiden austrocknen!
Shakyashri

 

Der tibetische Begriff für Geistestraining ist Lodschong, was wörtlich bedeutet, unser Denken von einem Zustand in einen anderen umzuwandeln. Gemeint ist damit, dass wir uns allmählich von allen ichbezogenen, Leid bringenden Haltungen befreien und uns stattdessen vollkommen auf das Wohlergehen aller Wesen ausrichten und von ganzem Herzen für ihr Glück arbeiten.
Das Geistestraining wurde vom indischen Meister Atisha nach Tibet gebracht und wird in allen Hauptschulen des tibetischen Buddhismus praktiziert. Es zeichnet sich durch große Einfachheit und einen erdverbundenen, praktischen Alltagsbezug aus. Da es im Geistestraining keine komplizierten Rituale, aufwendigen Visualisationen und schwierigen logischen Beweisführungen gibt, ist es relativ leicht zu verstehen. Die alten Meister sagen, dass die Praxis des Geistestrainings eine innere Wandlung herbeiführt, die nicht besonders offensichtlich ist und doch in großen Schritten sich vollzieht.

 

Die Vorbereitung

Das Geistestraining-Curriculum beginnt mit dem „Bekenntnis vor den 35 Buddhas“, worin man all seine seit anfangslosen Leben mit Körper, Rede und Geist angesammelten negativen Handlungen eingesteht und reinigt und sich so in tiefer Weise für den Weg des Erwachens öffnet. Die Praxis ist verbunden mit Niederwerfungen. Sie wird anhand eines Kommentars von Nagarjuna und mündlichen Unterweisungen heutiger Meister gründlich erklärt.
Zudem werden täglich die „Acht Verse zum Geistestraining“ von Langri Thangpa rezitiert und kontempliert. Diese Verse werden anhand eines von Tschekawa Yeshe Dordsche (1101 – 1175) geschriebenen Kommentars erläutert.

 

Das Sieben Punkte Geistestraining

Tschekawa Yeshe Dordsche fasste die wesentlichen Elemente der vom großen indischen Meister Atisha (982 – 1054) in Tibet gegebenen Unterweisungen zum Geistestraining in sieben Punkten zusammen. Diese Punkte haben sich bis heute in allen buddhistischen Schulen Tibets erhalten, und es sind zahlreiche Kommentare dazu verfasst worden. In der Dharmaklasse werden die Kommentare von Se Tschilbu Tschökyi Gyaltsen (1121 – 89), einem Schüler Tschekawas, und von Dschamgön Kongtrul Lodrö Thaye (1813 – 1899) verwendet, sowie die mündlichen Unterweisungen von Gendün Rinpotsche (1918 – 1997) und Dilgo Khyentse Rinpotsche (1910 – 1991).

Die sieben Punkte des Geistestrainings sind:

1. Darlegung der Vorbereitungen, die Grundlage

2. Sich in der Haltung des Erleuchtungsgeistes üben, die Hauptpraxis

A. Sich im absoluten Erleuchtungsgeist üben
Zu diesem Punkt werden zusätzlich folgende Texte studiert:
Atishas „Rat an Namdak Tsuknor“ über die Untrennbarkeit von Leerheit und Mitgefühl
Shabkar über absolutes Bodhicitta
Shabkars Rat an Kalden Rangdröl in Bezug auf Leerheit und Mitgefühl

B. Sich im relativen Erleuchtungsgeist üben
Zu diesem Punkt werden zusätzlich folgende Texte studiert:
Shabkar über Mitgefühl
Anleitungen zur Tonglen Praxis
Das Lodschong Gebet von Dschamgön Kongtrul Lodrö Thaye
Geistestraining des Großen Virvapa

3. Widrige Bedingungen für den Weg des Erwachens nutzen
Zu diesem Punkt wird zusätzlich folgender Text studiert:
Dschigme Tenpa Nyima: „Leid und Glück in Erleuchtung verwandeln“

4. Wie man zusammengefasst sein ganzes Leben lang praktiziert

5. Der Maßstab für die Wandlung des Geistes

6. Die Verpflichtungen des Geistestrainings

7. Die Richtlinien des Geistestrainings

 

Ergänzende und vertiefende Texte

„Die Juwelengirlande des Bodhisattva“ von Atisha

„Die 37 Übungen der Bodhisattvas“ von Thogme Sangpo

„Alle Vorstellungen als von gleichem Geschmack ansehen“ von Serlingpa mit Kommentar von Atisha

„Geistestraining des Bodhisattva Samanthabhadra“ auf Atisha zurückgehend

„Geistestraining in acht Sitzungen“ auf Dromtönpa zurückgehend

Worte der Kadam Meister

 

Ziele der Dharmaklasse sind: den Teilnehmenden eine umfassende Übertragung der Lodschong Lehren zu geben und ihnen zu helfen, diese unvergleichlichen Unterweisungen in ihren Alltag zu integrieren.