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Mahamudra Praxis

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Orgyenpa, der Bettler im Schneeland Tibet, praktiziert den natürlichen Zustand des ursprünglichen Gewahrseins. Mit dem Segen der vortrefflichen Meister haben sich seine trügerischen, gewohnheitsbedingten Neigungen von selbst befreit. Samsara und Nirwana sind in Nicht-Zweiheit gereinigt, alles erscheint ihm als Spiel des Dharmakaya und dualistisches Haften hat sich von selbst erschöpft. Leiden gibt es nicht, er ist glücklich.

Siddha Orgyenpa

 

 

Mahamudra ist ein Sanskrit Wort. Maha heißt groß und Mudra bedeutet Gebärde, Geste, Siegel. Ziel der Mahamudra-Meditation ist es, unmittelbar die Essenz der Verwirrung zu sehen. Dies geschieht, wenn der Geist mit seinem augenblicklichen Gewahrsein, seiner grundlegenden unfassbaren, lichtklaren Natur, verschmelzen kann.
Jemand, der großes karmisches Potential besitzt, kann durch die Begegnung mit einem fähigen Meister und das Hören seiner Kernunterweisungen unmittelbar in die Mahamudra Meditation eintreten. Für die allermeisten gilt dies jedoch nicht, sie müssen zuvor den Weg ‚geistiger Sammlung’ und ‚intuitiver Einsicht’ durchlaufen.
Geistige Sammlung oder Ruhe (Sanskrit und Pali: Shamatha; Tibetisch: Shine) und intuitive oder durchdringende Einsicht (Sanskrit: Vipashyana; Pali: Vipassana; Tibetisch: Lhagthong) sind die Pfeiler der Meditationspraxis aller buddhistischen Schulen. Wenn wir tiefere Einsicht in die wahre Natur unseres Geistes erlangen wollen, brauchen wir eine geistige Ruhe, die alle inneren Selbstgespräche und gedanklichen Konzepte übersteigt. Aus dieser tiefen Sammlung, wo der Geist natürlich in sich selbst zur Ruhe kommt, entsteht intuitive Einsicht – unmittelbares, spontanes und vorstellungsfreies Verstehen.
Die Unterweisungen folgen dem vom 9. Karmapa Wangtchug Dordje (1556 – 1603) verfassten Meditationsmanual „Mahamudra – Ozean des wahren Sinnes“.
Zur weiteren Erhellung und Vertiefung dienen das klassische Werk „Mahamudra – Mondstrahlen“ von Dagpo Tashi Namgyal (1512 – 1578) sowie Gesänge und Unterweisungen großer Meditationsmeister der Überlieferung und die mündlichen Unterweisungen von Gendün Rinpotsche (1918 – 1997).

I
108 Tage Mahamudra-Ngöndro

Ngöndro heißt wörtlich übersetzt voran-gehend. Es besteht aus den vier allgemeinen und vier außergewöhnlichen vorbereitenden Übungen.

Die allgemeinen vorbereitenden Übungen bestehen aus folgenden Schritten:
1. Das Nachdenken über die Seltenheit und Kostbarkeit einer menschlichen Existenz lenkt unseren Geist zum Dharma.
2. Die Kontemplation über Vergänglichkeit und Tod macht uns klar, wie dringlich es ist, den Dharma jetzt zu praktizieren.
3. Die Beobachtung von Karma, des Gesetzes von Ursache und Wirkung, von Handlungen und ihren Ergebnissen, lässt uns verstehen, dass gute Ursachen gute Wirkungen und ungute Ursachen ungute Wirkungen nach sich ziehen. Im Lichte dieses Verstehens können wir unser eigenes Denken und Tun korrigieren und ausschließlich auf gute Ursachen ausrichten.
4. Die Untersuchung des Daseinskreislaufes zeigt uns, dass er ein Kreislauf ist, der auf Täuschung und Verwirrung beruht und insofern selbst in seiner angenehmsten Form niemals wirklich leidfrei sein kann. Dadurch lösen wir uns innerlich von ihm und richten unseren Geist ungebunden auf den Weg der Befreiung und des Erwachens.

Die vier außergewöhnlichen vorbereitenden Übungen bauen aufeinander auf. Sie werden in dieser Dharmaklasse  jeweils 27 Tage lang praktiziert.
1. Als erstes nehmen wir Zuflucht, wecken den Erleuchtungsgeist und bringen Niederwerfungen dar, um uns fest auf dem Weg der Befreiung zu verankern.
2. Als zweites reinigen wir unseren Seinsstrom durch die Meditation auf Vajrasattva (Tib. Dordje Sempa) und die Rezitation des Hundert-Silben-Mantras von allen tiefer liegenden Negativitäten.
3. Als drittes sammeln wir durch die Mandala-Opferung alles Positive.
4. Als viertes schließlich werden wir durch den Guru Yoga zum reinen Gefäß für den Segen der Übertragung.
Die Übungen des Ngöndro bewirken, wenn wir sie mit ganzer Hingabe praktizieren, eine tiefe Reinigung von Körper, Rede und Geist. Schleier und Verdunkelungen werden entfernt und positive Kraft und Weisheit angesammelt.

 

II
Sammlung des Geistes

Vier wichtige Bedingungen für die spirituelle Praxis:
inneres Gelöstsein – die Grundbedingung
der spirituelle Freund – die Hauptbedingung
frei vom Irrtum begrifflicher Objektivierung – die sachliche Bedingung
frei von Erwartungen und Befürchtungen – die unmittelbare Bedingung
Folgende Aspekte werden gründlich erklärt und geübt:
die Praxis des Guru Yoga
die Bedingungen für authentische Praxis
die wesentlichen Punkte der Körperhaltung
Arbeit mit dem Atem
Schlüsselpunkte für den Geist
den unkonzentrierten Geist sammeln
die Sammlung stabilisieren
die Stabilität der Sammlung weiter entwickeln

 

III
Intuitive Einsicht

Folgende Aspekte werden gründlich erklärt und geübt:
die Natur des Geistes gründlich erforschen
die Einheit von Gewahrsein und Leerheit
bewegter Geist, ruhiger Geist
Geist und Erscheinungen

 

IV
Die Übung weiter entwickeln

Hier werden unter anderem folgende Themen behandelt:
Falsche Vorstellungen, Missverständnisse und Irrtümer über Leerheit etc. beseitigen
Hindernisse überwinden
der Yoga der Einsgerichtetheit
der Yoga der Einfachheit
der Yoga des Eingeschmacks
der Yoga der Nichtmeditation
die Frucht verwirklichen

 

Praxistexte

Guru Yoga auf Düsum Khyenpa und die gesamte Kagyü Übertragungslinie von Karma Tschagme

Das ‚Mahamudra Wunschgebet‘ von Karmapa Rangdschung Dordsche

 

Ziele der Dharmaklasse sind: Eine umfassende und handwerklich gediegene Übertragung zur Praxis von Shine, Lhagthong und Mahamudra zu geben, sowie allen durch die Erfahrung intensiver Meditationspraxis und dem Austausch mit dem Lama eine stabile Gewissheit hinsichtlich der wesentlichen Punkte der Meditation zu vermitteln.

 

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